"Godly Play" ist ein religionspädagogischer Ansatz, der sich an dem pädagogischen Konzept von Maria Montessori orientiert. Er geht auf den US-amerikanischen Pfarrer Jerome W. Berryman zurück, der das Konzept im Kontext der amerikanischen Sonntagsschulbewegung entwickelte und einsetzte. "Godly Play" will Kinder in einer anregenden Umgebung mit ansprechenden Materialien zu einer vertieften Auseinandersetzung mit biblischen Geschichten, Gleichnissen und liturgischen Handlungen führen. Wie bei Montessori ist die gestaltete Umgebung und das speziell ausgewählte und vorbereitete Material von besonderer Bedeutung. Die Materialien und Erzählungen regen die Kinder an, ihre eigenen Gedanken einzubringen und diese in kreativer Form auszudrücken. Zu "Godly Play" gehört ein Raumkonzept, eine feste Ablaufstruktur und eine bestimmte Erzählform biblischer Geschichten. Die Art der Geschichtenerzählung ist bei "Godly Play" ganz anders als bislang gewohnt.
Schon dem Betreten des Raumes wird durch eine persönliche Begrüßung jedes Teilnehmers durch die sog. "Türperson" eine Bedeutung beigemessen. Die Teilnehmer sitzen in einem Halbkreis um den "Erzähler" herum am Boden.
Für jede Geschichte gibt es eigenes Material in speziellen Kisten, die sich jederzeit zugänglich im "Godly Play"-Raum befinden. Mit diesem Material wird die Geschichte in Form eines Bodenbildes dargestellt.
Dazu nutzt der Erzähler wörtliche Erzählvorschläge und definierte Gesten. Der Erzählstil ist einfach und von allem Überflüssigen befreit. Es geht darum, zum Wesen der Geschichte zu gelangen und nicht um "aufregende" Ausführungen. Schweigen und Gestikulieren werden als kraftvolle Ausdrucksformen betrachtet. Mittels einer Geste kann oftmals mehr Dramatik vermittelt werden, als durch besondere stimmliche Anstrengungen. Klare Sprache, ruhige Bewegungen. Wertschätzung des Materials und damit der Geschichte. Zeit und Ruhe für die Einbindung der Zuhörer. Nicht der Erzähler steht im Mittelpunkt, sondern die sich entfaltende Geschichte und die christliche Botschaft.
Ein besonderes Merkmal ist das "wondering" - die Phase des "Sich-Wunderns" oder "Sich-Fragens". So schließen sich Fragen an die Geschichte an, wie "Ich frage mich, wo du in dieser Geschichte vorkommst?" oder "Ich frage mich, was du am liebsten an dieser Geschichte magst?" Die Zuhörenden werden dadurch angeregt, ihre Gedanken und Vorstellungen zu der Geschichte zu äußern, eigene Ideen zu entwickeln und eigene Formulierungen zu finden. Dabei wird Wert darauf gelegt, alle Beiträge als gleich wertvoll zu akzeptieren. Am Ende der Geschichte wird das Material wieder mit viel Bedacht in die Kiste zurückgeräumt und kommt zurück auf seinen Platz im "Godly Play"-Raum.
In der nachfolgenden freien Phase wählen die Teilnehmer ihre persönliche Form der Auseinandersetzung mit dem Gehörten und Erlebten. Sie können das eben genutzte Material noch einmal verwenden und die Geschichte nachspielen - oder sie können aus einer breiten Palette an Kunst- und Bastelmaterialien auswählen und mit Schere, Papier, Farben, Knete, Bausteinen, Perlen, Tüchern oder Schnüren kreativ tätig werden. All dies wird weder beurteilt noch kommentiert.
Zum Abschluss findet ein gemeinsames, kleines Fest statt - mit Keks und Saft. Mit einem Segensspruch wird jedes Kind verabschiedet.
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