Godly-Play

In Zusammenarbeit mit dem Religionspädagogischen Institut unserer Landeskirche starteten wir im Sommer 2008 ein neues pädagogisches Modell, biblische Geschichten für und mit Kindern erzählend zu "spielen". Es nennt sich "Godly play" und wurde von Jerome W. Berryman in Amerika entwickelt.

In der Zusammenarbeit mit der Landeskirche stellen wir unseren Kindersaal in der Brühlstraße 16 als Fortbildungszentrum für überregionale Schulungen in dieser Arbeitsweise zur Verfügung. Als Gegenleistung werden die recht kostspieligen Legematerialien für die einzelnen biblischen Geschichten von den Mitteln der Landeskirche angeschafft und wir als Gemeinde können diese für unsere Arbeit vor Ort nutzen. Zudem erhalten unsere Mitarbeiter qualifizierte Schulungen, die in die pädagogische Zielsetzung und Vorgehensweise einweisen - und im übrigen auch erst zur Nutzung des Raumes berechtigen.

Ein Wandbehang besonderer Art

In der "reinen Lehre" von Godly Play ist für jeden eigens für diese Arbeit eingerichteten Raum ein Fokusregal vorgesehen. Darin befinden sich die grundlegenden Geschichten, die unser Christsein als solches bestimmen und erkennbar machen: Geburt und Auferstehung Jesu, Taufe und Abendmahl, Ewigkeit und wichtige christologische Stationen des Kirchenjahres, wie die vier Adventssonntage. Darüber hinaus ist eigentlich auch eine zentrale Christusdarstellung empfohlen.

In Staffort weichen wir ganz bewusst davon ab. Da sich all diese heilsgeschichtlich relevanten biblischen Ereignisse auf der Erde abgespielt haben, steht im Fokus beim Betreten des Raumes eine paradiesische Schöpfungsdarstellung, in der das Auge Gottes seine Gegenwart symbolisiert. Die Strukturen des Himmels und der Erde sind in den Stoff gebatikt und mit einer Farbspritze akzentuiert. Die Fütterung ist durch über 500 m durchsichtigen Faden fixiert und gibt dem farbigen Untergrund seine Plastizität und Fülle. Darauf finden sich in der Endfassung nun filigrane Stickereien mit Pflanzenornamenten, dazwischen feingliedrige Insekten und kreatürliche florale Applikate aus Filz.

Sowohl die Idee als auch die Ausführung lassen handwerkliches Geschick, Sachverstand und Sinn für Proportionen erkennen. Der Reiz des Wandbehangs liegt aber auch darin, dass sich viele Formen erst bei längerer Betrachtung erschließen und sich das Auge vermutlich nie satt sehen wird.

Ich bin als Gemeindepfarrer überaus dankbar, dass ich der Künstlerin beim Entstehungsprozess habe über die Schulter schauen dürfen. Frau Gertrud Stober und ihrem großzügigen Ehemann danke ich herzlichst für dieses gelungene und einfühlsame Werk, das für diesen Raum eigens geschaffen und gestiftet wurde. Wenn ich dann noch bedenke, dass es nur einer einzigen Anfrage bedurft hat, um diesen kreativen und arbeitsintensiven Schaffensprozess in Gang zu setzen, kann ich nur nochmals von Herzen Danke sagen.

Bernhard Wielandt