BNN-Bericht vom 7.12.2007 über die Orgel-Restaurierung
Stutensee-Staffort (ml). Seit vielen Jahren schon ist im Gottesdienst in der Stafforter Kirche eine Computerorgel zu hören. Die altehrwürdige Pfeifenorgel, ein Original der Orgelbauerfamilie Weigle, klingt nicht mehr, sie ist außer Betrieb. Der Grund: Die Heizung hat sie kaputt gemacht.
Die im Jahr 1902 erbaute Orgel ist eine sogenannte "pneumatische Orgel". Das bedeutet, in einer solchen Orgel werden die Ventile der einzelnen Orgelpfeifen nicht wie üblich über eine Stange geöffnet, sondern über einen Luftkanal. Jedes einzelne dieser Luftkanälchen ist mit einem kleinen Lederbalg versehen, der die Anblasöffnung der Orgelpfeife abdichtet und bei Tastendruck in sich zusammenfällt, damit Luft einströmen und Klang erzeugen kann. Dieses Patent wurde von der Orgelbaufamilie Weigle aus Stuttgart, deren Geschichte bis auf das Jahr 1845 zurückgeht, entwickelt und werde seither so nicht mehr gebaut, berichtet Pfarrer Bernhard Wielandt. Darum sei die Stafforter Orgel durchaus eine Seltenheit.
Im Jahr 1967 wurde die Orgel verändert. Der Prospekt wurde in der Mitte gekürzt, um die Fensterrosette besser sichtbar zu machen. Die originalen Prospektpfeifen aus Zinn waren ohnehin nicht mehr vorhanden, da das Zinn während des Krieges zu Patronenhülsen umgeschmolzen wurde. Sie wurden ersetzt durch billige Duplikate aus Zink. Das Gehäuse wurde unscheinbar grau-weiß gestrichen und der romantisch-weiche Klang der Orgel verschärft, indem einige kleine, weich klingende Register abgeschnitten wurden. In den 70er Jahren wurden die vorhandenen Kohleöfen in der Kirche durch eine Elektroheizung mit starkem Heißluftgebläse ersetzt mit der Folge, dass die Lederbälge der Ventile austrockneten und spröde wurden, ebenso die Holzteile. Als infolgedessen die Orgel im Lauf der Zeit nicht mehr funktionsfähig war und durch eine elektrische Orgel mit Lautsprechern ersetzt werden musste, wurden irgendwann die Luftkanalverbindungen zur Tastatur brutal gekappt und der Spieltisch kurzerhand entfernt. Damit war für die Musikgruppen der Gemeinde auf der Empore mehr Platz gewonnen, eine wesentliche Substanz der Orgel aber für immer verloren.
Nun soll das historische Instrument wieder zum Klingen gebracht werden. Die Überlegungen der Verantwortlichen schwankten zwischen einer umfassenden Restaurierung und Rekonstruktion oder dem Einbau einer einfacheren Mechanik. Der Evangelische Oberkirchenrat und der Orgelarbeitskreis der Kirchengemeinde Staffort-Büchenau entschieden sich für ersteres. Zum einen seien die Kosten hierfür tatsächlich günstiger, zum anderen füge sich eine Rekonstruktion des Originals - Pneumatik Weigle'scher Bauart und Zinnpfeifen im Prospekt - in das Gesamtbild der Kirchenrenovierung, die die Erneuerung des ursprünglich Gewesenen zum Ziel habe. Die Kosten für die Orgel werden auf rund 200 000 Euro veranschlagt. Der Stafforter Kirchengemeinderat hat in Übereinstimmung mit der Empfehlung des Orgelsachverständigen des Oberkirchenrats, Martin Kares, die Firma Lenter aus Sachsenheim beauftragt. Auf jeden Fall hat die Stafforter Kirchengemeinde etwas mehr als die Hälfte an der Restarierung selbst zu tragen. Eine Reihe von Veranstaltungen, beispielsweise das Konzert "Piano und Percussion" (die BNN berichteten), sollen zur Finanzierung beitragen. Dennoch ist die Kirchengemeinde auf Spenden angewiesen.
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